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Nachtgeflüster


Diese Geschichte ist keine Fantasygeschichte, sondern eine Liebesgeschichte… Lasst euch überraschen…

Nachtgeflüster 
©by Natascha I. H. (http://love-fantasy.de.tl)


Das Wasser des riesigen Sees schimmerte im blassen Mondlicht und die Sterne spiegelten sich darin, wie tausende von funkelnden Diamanten. Die Äste einer Trauerweide strichen sanften Fingern gleich über die Oberfläche, als ein leichter Wind aufkam und das Wasser kräuselte. Irgendwo weiter nördlich erklang das Heulen eines Wolfes, ansonsten herschte vollkommene Stille, als wäre die ganze nächtliche Welt in Schlaf versunken.

Doch dann fiel der Blick auf eine verhüllte Gestalt, zweifellos die einer Frau, die bisher reglos und fast unsichtbar in ihrem tiefschwarzen Umhang am Ufer gestanden hatte. Ihr Blick war in die Ferne gerichtet, als wartete sie auf Etwas oder Jemanden.

Nach einer Weile begann sie ein Lied zu singen, mit einer Stimme so hell, so klar, so wunderschön wie das reinste Quellwasser. Es war eine traurige Melodie voller Enttäuschung, Leid und verlorener Liebe. Einsam und verloren hallte sie über die weite schimmernde Fläche des Sees.

 

Als sie geendet hatte, seufzte sie und drehte sich mit einer graziösen, fliessenden Bewegung um. Es war nicht eingetreten, was sie sich gewünscht hatte, nach dem sich ihr Herz schon seit vielen Nächten sehnte. Er war nicht gekommen.

 

Mit zögerlichen Schritten entfernte sie sich von der glitzernden, nassen Fläche, ihre Augen verschleiert von einem Vorhang aus Tränen. Doch dann, plötzlich stellte sich ein neues Geräusch ein, das zuvor nicht gewesen war. Es war, ganz leise nur, der Klang von Wasser, das an Holz schlug. Die Gestalt hielt in ihrer Bewegung inne und wendete den Kopf zurück zu jener Stelle, an der sie zuvor gewartet hatte. Unter der Kapuze schimmerten ihre Augen voller Hoffnung.

Ein kleines Boot näherte sich dem Ufer. In ihm sass eine einzelne Person, ein junger Mann so weit die Dunkelheit erkennen liess. Die Ruder, die er ins Wasser tauchte, schienen die Oberfläche kaum zu berühren, so wenige Geräusche verursachte er. Dann lief das Gefährt mit einem leisen knirschenden Laut auf Grund auf und der Mann schwang sich mit einer faszinierenden Anmut über den Bootsrand, wie kein anderer ausser ihm es jemals vermocht hätte.

 

Mittlerweile war die Frau langsam näher gekommen, zögernd, als hätte sie Angst, sie könnte ihn erschrecken, als wandelte sie in einem wunderschönen Traum, der bei zu hastigen Bewegungen zerplatzen könnte, wie eine Seifenblase. In der Mitte des Weges trafen sich die beiden und der Mann strich behutsam ihre Kaputze zurück. Ein junges, bildhübsches Gesicht mit sanften Zügen kam zum Vorschein.

„Ich habe dich so sehr vermisst, meine wunderschöne Rose, meine Elvira!“, flüsterte er mit sanfter Stimme.

„Was ist geschehen? Wo warst du? Ich habe jede Nacht seit mehr als drei Wochen auf dich gewartet“, fragte sie mit klagender Stimme.

„Ich war verhindert…“

„Wie konntest du mir das nur antun? Ich war so sehr in Sorge um dich!“, schluchzte sie und eine einzelne Träne kullerte über ihre zarten Wangen.

„Ich habe dir doch versprochen zurückzukommen.“ Er beugte sich vor und strich die Träne weg. „Ich liebe dich doch so sehr.“ Seine Lippen berührten sanft die Ihrigen. Doch sie stiess ihn weg.

„Wo warst du?“, wiederholte sie und in ihren Worten schwang Verzweiflung mit.

Einige Sekunden der Stille folgten. Das Heulen eines Wolfes erklang in der Ferne.

„Mein Vater schöpfte Verdacht, dass ich mich des Nachts mit dir treffe und du weißt, dass er mir verboten hat dich zu sehen. Ich musste den richtigen Augenblick abwarten um mich heimlich davonzuschleichen“, antwortete der junge Mann zögernd.

„Will er immer noch, dass du diese Regina heiratest?“, fragte Elvira mit trauriger Stimme. Warum nur lebten sie in einer Welt, in der sie nicht zusammen sein konnten? Warum nur lebten sie in einer Welt, in der es nur Heiraten gab, die Gewinn brachten?

„Regina ist adelig, so wie ich und ihre Eltern sind sehr reich… Aber sie ist plump und herzlos im Vergleich zu dir… Niemals könnte ich sie heiraten… Ohne dich bin ich kein ganzer Mensch. Ohne dich wäre mein Leben sinnlos“, erklärte er mit leiser Stimme und strich sanft über ihre Wange. Elviras Augen schimmerten feucht in der Dunkelheit und ihr Gesicht war voller Schmerz.

„Das Schicksal ist so furchtbar…“, murmelte sie und ihr Herz schien bei diesen Worten beinahe zu zerreissen.

„Dann lass uns fliehen. Irgendwo hin, wo uns niemand kennt, wo es keine Unterschiede zwischen uns gibt.“

„Du meinst, dass es einen solchen Ort gibt?“

Der junge Mann nickte und sein Blick war erfüllt von Zuversicht und flammender Liebe. Er zeigte mit seinem Arm in unbestimmte Fernen. „Die Welt ist so gross.“ Ein zweites Mal fanden seine Lippen Elviras und dieses Mal erwiderte sie seinen Kuss voller Hingabe.

Alle Geräusche verstummten und die Zeit stand still. Der Mond blickte auf das Geschehen hinab, wie die Geliebten dort eng umschlungen am Ufer des Sees standen und es schien, als würde er voller Einverständnis lächeln.

Nach einer Ewigkeit, löste sich das Liebespaar wieder. Sie sprachen kein Wort, doch ihre Blicke genügten. Gemeinsam stiegen sie in das kleine Boot und ruderten gegen den Horizont, um der Welt zu entfliehen, in der ihre Liebe etwas Verbotenes war.

 

Der See blieb ruhig und verlassen zurück, als wäre nichts geschehen. Die Stille der Nacht kehrte zurück, wie sie es schon seit Jahrtausenden tat, um einen Schleier über die Geheimnisse all jener zu legen, die sich nur der Dunkelheit anvertrauen konnten.

Denn die Nacht ist die Zeit des Versteckten, ob nun guter oder böser Natur, die Zeit, in der man sich unentdeckt und sicher fühlt, in der die einen sich erholen und bei anderen erst das Leben beginnt…


Ende

Mein Fantasy-Roman:  
 


Weitere Informationen findet ihr
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Gezeichnet Dezember 2011
Bleistift

 
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